Ende Gelände

Rede zum libertären 1. Mai in Bonn 2015

Zwischen Bonn und Köln ist Europas größter Braunkohletagebau – das größte Loch Europas, das rheinische Braunkohlerevier. Es ist gleichzeitig die größte CO2 Quelle Europas. Der Energiekonzern RWE verstromt dort Braunkohle, aus der in Deutschland ein Viertel des Stroms gewonnen wird.
Dies führt zu massiven Zerstörungen: Wertvolle Ökosysteme wie der Hambacher Forst werden komplett vernichtet, bis heute wurden ca. 50 000 Menschen zwangsweise umgesiedelt, die Verschmutzung der Umwelt, z.B. durch Feinstaubbelastung ist enorm. Gleichzeitig wird durch die Verstromung des dreckigsten Energieträgers der Klimawandel weiter angeheizt.

Das Rheinland ist ein lokaler Kristallisationspunkt der globalen Klimabewegung!

Der Klimawandel ist einer von vielen Krisenmomenten dieses Wirtschaftssystems, und war immer schon ein durch und durch ökologisches und soziales Problem zugleich. Die Kosten der Krise werden rücksichtslos externalisiert. Die Strategie besteht darin, die armen Bevölkerungsschichten weltweit für die zunehmende Zerstörung durch die herrschenden Ordnung bezahlen zu lassen: Offensichtlich durch Arbeitslosigkeit und durch Abschaffung der sozialen Sicherungssysteme, hintergründiger durch Privatisierung von Allgemeingütern, zunehmender Gesundheitsbelastung und letztlich durch die Zerstörung von Lebensgrundlagen. Die Krise kann nicht unterteilt werden in Klimakrise und Euro-, Schulden- oder Bankenkrise. Sie ist vielmehr eine grundlegende Krise der kapitalistischen Produktionsweise: Das herrschende Wirtschaftssystem beinhaltet einen strukturell bedingten Zwang zur Konkurrenz und permanenter Expansion (verharmlosend „Wachstum“ genannt) und zerstört so in umfassender und schnell fortschreitender Weise die natürlichen Grundlagen des Lebens.

Ob beim G7-Treffen oder bei der UN-Klimakonferenz in Paris – in einer Endlosschleife werden Regierungsvertreter*innen dieses Jahr ihre Betroffenheit über das Klimachaos ausdrücken. Doch es klafft eine riesige Lücke zwischen dem, was notwendig wäre und dem, was passiert. Stattdessen dominieren die kurzfristigen Profitinteressen der Energiekonzerne und zur Lösung wird ein Wirtschaftssystem angerufen, welches uns erst in die Klimakatastrophe gebracht hat.
Denjenigen, die in einem grundlegenden Umbau der herrschenden politischen und ökonomischen Machtverhältnisse vor allem einen Angriff auf ihre privilegierte Position sehen, fällt, wenig überraschend, nicht viel mehr ein, als den Klimawandel anhand marktorientierter Mechanismen lösen zu wollen. Ein CO2-Markt ist entstanden, Verschmutzungsrechte lassen sich kaufen, Luft und Wälder werden kommerzialisiert und in den Markt integriert. Diese Instrumente führen weder zur Emissionsverminderung noch zielen sie darauf ab, fossile Rohstoffe im Boden zu lassen. Vielmehr dienen sie in erster Linie der Profitsteigerung von Energiekonzernen und Unternehmen und bringen negative soziale Konsequenzen für viele Menschen mit sich. Ohne eine Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise mit ihrem nie-endenden Wachstumszwang wird sich der Klimawandel nicht in die Schranken weisen lassen.

Wir aber haben es satt, tatenlos zuzuschauen, wie die Lebensgrundlage von immer mehr Menschen weltweit zerstört wird und wie sich die krassen sozialen Ungleichheiten auf Grund des Klimawandels deutlich verschärfen. Wir finden es abscheulich, dass eine politische Antwort Europas auf den Klimawandel darin besteht, noch höhere Zäune an den EU-Außengrenzen zu errichten, anstatt an den Ursachen des Klimawandels zu arbeiten.
Für uns ist klar, dass Regierungen – weltweit – nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problems sind und wir daher selbst für ein gutes Leben für alle streiten müssen.

Daher sagen wir: System change, not climate change!

Es genügt aber nicht, nur laut NEIN zu sagen, wir müssen aktiv Widerstand leisten und Klimaschutz selbst in die Hand zu nehmen. Überall auf der Welt stellen sich Menschen den Baggern entgegen, weil sie wollen, dass die Kohle im Boden bleibt und besetzen Plätze und Häuser um sich gegen die Zumutungen der Austeritätspolitik zu wehren

Wir sehen uns als Teil dieser internationalen Graswurzelbewegung, die gegen die Verbrennung von fossilen Energieträgern und für Klimagerechtigkeit eintritt.
Deshalb sagen wir im rheinischen Kohlerevier „Ende Gelände“ für die Braunkohlebagger und werden am 14. -16. August den reibungslosen Betrieb im Revier durch eine massenhafte Blockade von Braunkohleinfrastruktur stören. Kommt beim Klimacamp im Rheinland vom 7. – 17. August vorbei, macht bei den Aktionstrainings im Voraus mit! Und lasst uns an diesem Tag deutlich machen, dass eine weitere Zerstörung unserer Lebensgrundlage durch die kapitalistische Produktionsweise mit uns nicht zu machen ist.

Kohelausstieg ist Handarbeit!

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